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Anmerkungen zur Problematik
des Kartendatums
Einführung
- Im Zusammenhang mit der Einführung
von GPS-Handgeräten wurde auch bei uns Nichtfachleuten ein gewisser
Bedarf geweckt, den Begriff eines "Kartendatums" wenigstens
in groben Ansätzen zu verstehen.
- Bei uns in der BRD war von Seiten der
GPS-Nutzer alsbald hauptsächlich von 2 solchen Systemen die Rede:
Potsdam-Datum und WGS84-Datum, so hießen sie.
- Die GPS-Empfänger, so merkte man
rasch, lieferten ihre Positionsangaben zunächst im WGS84-Datum.
- Die Karten, die hier zu kaufen sind (insbesondere
die Topografischen Karten von den Landesvermessungsämtern, z.B.
im Maßstab 1 : 25000 - früher auch "Messtischblätter"
genannt - weisen aber am Rand Längen- und Breitengradskalen auf,
die sich laut Legende auf das sog. "Potsdam-Datum" beziehen.
- Inzwischen weisen allerdings die meisten
GPS-Handgeräte auch die Möglichkeit auf, sich die Position
in einem anderen Kartendatum anzeigen zu lassen. Wenn man die vom Gerät
gezeigte Position auf deutschen Karten finden will, muss man sich also
die Werte am besten gleich im Potsdam-Datum anzeigen lassen.
- Wer sich genauer mit dem Begriff befassen
will, kann sich dazu eines ausgezeichneten Hilfsmittels bedienen, das
offenbar aber noch nicht alle Interessierten kennen. Ich schließe
das aus mancherlei Anfragen zum Thema "Kartendatum", die ich
oft mit einem Hinweis auf dieses schöne Hilfsmittel beantworten
kann. Ich meine die bei den Landesvermessungsämtern erhältlichen
topografischen Karten auf CD-ROM. In Baden Württemberg gibt es
diese digitalisierten Karten inzwischen auch im Maßstab 1 : 25000
(TOP25 Baden-Württemberg). Die
Beschreibung der beiden CDs (BW-Nord und BW-Süd) ist hier zu finden.
Neben der detailgenauen Bildschirmkarte kann man sich auch die Positionen
eines GPS-Empfängers auf der Karte zeigen lassen (Moving Map) -
und insbesondere kann man mit dem Maus-Cursor leicht Punkte anfahren
und sich deren Koordinaten in den verschiedensten Systemen anzeigen
lassen.
- Um Ihnen einen Eindruck insbesondere dieser
Fähigkeiten des Programms auf der CD zu vermitteln, habe ich hier
einen kleinen Kartenausschnitt abgebildet, auf dem nacheinander 7 verschiedene
Koordinatensysteme als Gitternetz eingeblendet werden:
Man kann also sehen, dass es für eine
zweifelsfreie Positionsbeschreibung ganz entscheidend darauf ankommt,
dass man zusammen mit der Positionsangabe auch das "verwendete
Kartendatum" mitteilt.
- Bei den hier gezeigten Beispielen lassen
sich zwei Gruppen unterscheiden. Die Koordinaten der Gruppe "Geografisch"
zeigen Koordinatenwerte in Grad, d.h. die Positionen werden als geografische
(ellipsoidische) Länge und Breite angezeigt, ggf. ergänzt
um sog. ellipsoidische Höhen. Es handelt sich also um ellipsoidische
Koordinaten, die sich aber hinsichtlich der Art des zugrunde liegenden
Ellipsoids unterscheiden. Unsere Beispiele beziehen sich der Reihe nach
auf das WGS84-Ellipsoid, das Hayford-Ellipsoid (im Datum ED50), das
GRS80-Ellipsoid (im Datum ETRS89) und das Bessel-Ellipsoid (im Potsdam-Datum).
. Das GRS80- und das WGS84-Ellipsoid stimmen hinsichtlich der Ergebnisse
praktisch überein. In der zweiten Gruppe liegen Koordinatenwerte
in der Einheit Meter vor und beziehen sich wieder auf verschiedene Ellipsoide:
Die Gauß-Krüger-Koordinaten (Bessel-Ellipsoid), und die beiden
UTM-Systeme: UTM-ED50 (Bezugsfläche Hayford-Ellipsoid) und UTM-WGS84
(Bezugsfläche WGS84-Ellipsoid).
- Anmerkung: Die
an anderer Stelle erwähnten Kartesischen Koordinaten sind ebenfalls
"metrische" aber räumliche Koordinaten. Sie spielen zwar
bei der Koordinatenumrechnung eine Rolle, kommen aber zur Positionsbeschreibung
in den ebenen Kartenblättern natürlich nicht vor. Kartesische
Koordinaten sind auch keine ellipsoidischen Koordinaten.
- Sofern man bei
einem gewählten Ellipsoid bleibt, kann man mit Hilfe von Transformationsgleichungen
räumliche in die ebenen Koordinaten (und umgekehrt) ziemlich einfach
und widerspruchsfrei umrechnen.
- Sobald man aber
beim Systemübergang (Quelle - Ziel) auf ein Zielsystem trifft,
dem ein anderes Ellipsoid zugrunde liegt, muss man mit Komplikationen
rechnen und braucht sog. Transformationsparameter. Diese sind vorher
aus unabhängigen Messungen in beiden Systemen und an denselben
Punkten ("Identische Punkte" oder "Stützpunkte")
über Ausgleichsrechnungen zu gewinnen. Wegen der nie zu vermeidenden
Widersprüche kommt es bei solchen Transformationen immer zu Klaffungen,
die mit optimierten Parametern möglichst klein gehalten werden
sollen.
- Wie man also sehen
kann ist auch bei Koordinatentransformationen immer genau zu beachten,
welches Ellipsoid jeweils zum Quell- und zum Zielsystem gehört.
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Ellipsoide
als Modelle für die ziemlich unregelmäßig geformte Erdoberfläche.
- Aus dem Erdkundeunterricht
haben wir behalten, dass die Erde nicht wirklich eine Kugel sondern
infolge der Rotation um die Polachse leicht "abgeplattet"
sei. In Tabellenbüchern (3) können wir auch lesen, dass -
vom "Erdmittelpunkt" aus gesehen der Pol eine Entfernung von
6356.77 km hat (Polradius), während die Strecke Mittelpunkt - Äquator
6378.16 km misst (Äquatorradius), also wirklich größer
ist. Groß ist der Unterschied aber nicht, gerade mal 3 Promille.
Es werden also auch Menschen mit "gutem Augenmaß" ihre
liebe Mühe haben, an einem maßstäblich richtigen Modell
noch zu erkennen, dass das keine Kugel sein soll! Wir hören dann
noch, dass eine Figur dieser Art (Rotations)-Ellipsoid genannt wird.
- Was ist nun aber
ein Ellipsoid? Näher liegt da zunächst die Frage: Was ist
eine Ellipse? Dazu hier lieber ein Bild statt abstrakter Worte:

Anmerkung: Ein Kreis
kann als eine spezielle Ellipse aufgefasst werden, bei der die beiden
Halbachsen aber gleich lang sind. Es ist dort also nicht mehr sinnvoll
2 Halbachsen zu unterscheiden, und man nennt diese eine Halbachse dann
eben Radius.
- Wenn man jetzt
die ebene Figur Ellipse um ihre kleine Achse rotieren lässt, entsteht
ein (räumliches) Rotationsellipsoid.

-
Dieser Körper
kann, wenn man seine Lagerung im Raum unbeachtet lässt, durch
seine beiden Halbachsen, nämlich die große und die kleine
Halbachse vollständig beschrieben werden. Wenn man nun ein Ellipsoid
der Erdoberfläche möglichst gut anpassen will, wird man
der kleinen Halbachse eine Länge von 6356.77 km und der großen
Halbachse eine Länge von 6378.16 km geben. Außerdem wird
man das Ellipsoid mit seinem Mittelpunkt (Schnittpunkt der beiden
Achsen) in den Erdmittelpunkt legen und die kleine Halbachse zum Pol
orientieren. Zu beachten ist nach dem weiter oben Gesagten, dass sich
beim Erdellipsoid die beiden Halbachsen in ihrer Länge viel weniger
unterscheiden als es aus Gründen der Verdeutlichung auf unserem
Bild der Fall ist.
- Angesichts dieser
Beschreibung wird man sich nun wundern, warum in der Landesvermessung
überhaupt von verschiedenen Ellipsoiden geredet wird. Sehen wir
uns aber für die oben erwähnten Ellipsoide die Werte, also
ihre kleinen und großen Halbachsen näher an und lassen wir
(als Nichtfachleute) im Übrigen die Frage offen:
|
Ellipsoid
|
WGS84
|
GRS80
|
Hayford
|
Bessel
|
|
große
Halbachse (a)
|
6378137.00000
m
|
6378137.00000
m
|
6378388.00000
m
|
6377397.15508
m
|
|
kleine
Halbachse (b)
|
6356752.31425
m
|
6356752.31414
m
|
6356911.94613
m
|
6356078.96290
m
|
- Wie man sieht,
sind die Werte alle verschieden aber keines dieser Ellipsoide zeigt
genau die Halbachsenwerte, die wir - siehe oben - aus dem Tabellenwerk
(3) entnommen haben (a = 6378.16 km, b = 6356.77 km). Fast identisch
sind die Werte des WGS84- und des GRS80-Ellipsoids.
- Die beiden Ellipsoide
WGS84 und GRS80 werden mir ihrem Zentrum im "Mittelpunkt der Erde"
(geozentrisch) gelagert und ihre kleine Achse in die Polachse ("Erdachse",
Gerade vom Nord- zum Südpol) gelegt. Maßgabe der Brauchbarkeit
scheint eine möglichst gute "Anschmiegung" an die unregelmäßigere
Erdoberfläche zu sein und es ist klar, dass die Beurteilung der
"Güte" eines solchen Ellipsoids erst mit "überlegenen"
Messmitteln möglich sein wird. Diese hohe Präzision ist vielleicht
erst mit Hilfe von Satelliten (wie z.B. GPS-Satelliten) möglich
geworden. Man hört, dass sich global die Abweichungen zwischen
Erdoberfläche (eigentlich Geoidfläche) und diesem "mittleren
Erdellipsoid" in der Größenordnung von ± 100
m bewegen sollen. (1)
- Die übrigen
Ellipsoide haben nicht nur etwas andere Achsenlängen sondern sind,
wie man lesen kann, zudem so gelagert, dass sie sich eher für ein
begrenzteres Gebiet an die dortige Erdoberfläche (eigentlich Geoidfläche)
optimal anschmiegen. Dies bedeutet dann, dass sie mit ihrem Zentrum
nicht unbedingt genau ins Erdzentrum gelegt sind und die kleine Achse
muss auch nicht notwendigerweise parallel zur Erdachse liegen ("konventionelle
Ellipsoide").
- Zu den ellipsoidischen
Koordinaten noch zwei Skizzen zur Verdeutlichung der Koordinatenfestlegung
:
Blick
"von oben" auf die Äquatorebene des Rotationsellipsoids

Mit
dieser Definition gibt es wohl kaum Probleme!
Blick
auf die Meridianebene durch den Längengrad l
(Lambda)

Hier
kann man schon eher ins Grübeln geraten, aber so ist nun mal die
geografische Breite Phi definiert, nämlich als Schnittwinkel der
Flächennormalen der Horizontalebene (oben unscharf "Lotrichtung"
genannt) am Standort mit der Äquatorebene.
- und
bitte, versuchen Sie nicht reihenweise Erdkunde-Lehrer "aufs Kreuz
zu legen", indem Sie sie die folgenden falsche Auffassung absegnen
lassen. Das wäre reine Fallenstellerei!

Immerhin hat ja auch
diese Art von Breite einen Namen, nämlich "Geozentrische Breite"!
(2)
Neuerdings
kann ich auf mein Applet verweisen,
das die drei Varianten des Begriffes "Breite" auf einem Ellipsoid
aufzeigt und zum Beobachten der Veränderungen beim Spielen mit zwei
Schiebereglern einlädt.
Die einzelnen
Pfade der Transformationen
Die folgende Skizze kann anschaulich machen,
auf welchen Wegen man die 7 verschiedenen Koordinatenarten ineinander
umrechnen kann:
- Die roten Pfeile
sollen durch ihre geknickte Form andeuten, dass "Umformungen"
(4) mit Hilfe von Transformationsparametern erforderlich sind. Die geraden
schwarzen Pfeile zeigen an, dass die Transformation "glatt"
und widerspruchsfrei funktioniert. Solche Transformationen werden daher
als "Umrechnungen" (4) von den Umformungen unterschieden.
Der sehr kleine Knick in der Verbindungslinie zwischen Geog-ETRS89 und
Geog.-WGS84 soll andeuten, dass diese Umformung zu praktisch identischen
Koordinatenwerten führt (wegen der praktisch übereinstimmenden
Ellipsoidwerte).
- Man kann auf dieser
Skizze leicht nachvollziehen, auf welchen Wegen man prinzipiell zwischen
den verschiedenen Koordinatenarten hin und her wechseln kann. So würde
man beipielsweise aus Gauß-Krüger-Koordinaten (inkl. der
ellipsoidischen Höhe über dem Bessel-Ellipsoid) zunächst
in Geografische Koordinaten im Potsdam-Datum umrechnen und danach mit
den optimierten Transformationsparametern in die ellipsoidischen Koordinaten
des Geogr.-WGS84-Datums umformen. Von dort würde eine weitere Umrechnung
zu UTM-WGS84-Werten führen.
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Literatur .
(1) Bernhard Heck,
Rechenverfahren und Auswertemodelle der Landesvermessung, Herbert Wichmann
Verlag Heidelberg
(2) Albert Schödlbauer,
Rechenformeln und Rechenbeispiele zur Landesvermessung, Teil 1, Herbert
Wichmann Verlag Karlsruhe
(3) Sieber, Mathematische
Tafeln, Ernst Klett Verlag Stuttgart
(4) H. Fröhlich
und H. Körner, Geodätische Koordinatentransformationen, Selbstverlag
(http://koordinatentransformation.de/)
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Diese Seite wurde erstellt am : 24.03.2003
Letzte Aktualisierung : 29.01.2008
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