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Wie kann man die Raumstation MIR am Himmel direkt beobachten ?
Es ist erst wenige Tage her (genau war es am 4.2.1998) dass ich die russische Raumstation MIR, die wir ja alle von Übertragungen aus dem Weltraum im Fernsehen kennen, bewusst am Abendhimmel habe vorbeiziehen sehen - und das mit bloßem Auge. Ich könnte mir gut denken, dass diese Möglichkeit gar nicht so allgemein bekannt ist und will deshalb beschreiben, wie man selbst solche Beobachtungen machen kann. Wie man weiß, zeigt ja heutzutage
ein Blick zum Nachthimmel nicht immer nur die stillstehenden Sterne und Planeten. Häufig
kann man feststellen, dass ein vermeintlicher Stern bei näherem Hinsehen doch keiner sein
kann, weil er sich mit auffallender Geschwindigkeit am Himmel bewegt. Meist sind es
Flugzeuge, die helle Scheinwerfer eingeschaltet haben. Immer dachte ich aber auch, es
könne ja wohl mal ein Satellit gewesen sein, den ich da gesehen hatte. Da man die
Entfernung im allgemeinen nicht abschätzen kann, ist auch unklar, wie schnell sich das
Objekt bewegt. Wie sollte man also herausfinden, ob es doch ein Satellit gewesen ist ? Man
müsste, so dachte ich mir, genau den Fahrplan und die Helligkeit einzelner Satelliten
kennen, wenn man sicher sein wollte, dass es nicht doch wieder nur ein Flugzeug war.
Inzwischen habe ich gelernt, bei derartigen Fragen mal im Internet nachzuschauen - und
siehe da, ich wurde fündig und möchte die Entdeckungen gleich weitergeben.
Mit diesen Informationen ausgestattet, kann man sich nun draußen hinstellen und erwartungsvoll zum Himmel blicken. Die Station erscheint pünktlich - wobei allerdings der Aufgang am Horizont im allgemeinen schon wegen der Lufttrübung nicht beobachtet werden kann. Spätestens aber in der Höhe von 20 Grad sieht man die Station dann auch mit bloßem Auge sehr schön. Ihre Helligkeit ist meist größer als die aller Sterne und - insbesondere im Zenitbereich - ist die Geschwindigkeit beeindruckend. Besonders aber beeindruckt mich dann das ziemlich plötzliche Verschwinden, wenn die MIR in den Erdschatten eintritt. Es wird dabei das vorher so helle Objekt ziemlich schnell (1 - 2 Sekunden) dunkel und ist dann völlig unsichtbar.
Bei dieser Gelegenheit noch eben: Es soll, so habe ich mit großer Verwunderung im Internet gelesen, möglich sein, auch am Tage den Polarstern mit dem Theodoliten anzupeilen. Sie können sich denken, wie ich mir die Haare raufte, als ausgerechnet an diesem Tag Wolken die Sicht zum Himmel blockierten ! Selten habe ich den nächsten wolkenlosen Tag so herbeigesehnt! Bei all diesem Frust blieb mir nur, diese Zeilen zu verfassen, gewissermaßen als Ersatzhandlung ! Neueste Meldung : Hurra, es ist tatsächlich gelungen : Ich habe den Polarstern am helllichten Tag beobachten können. Es war am 10.2.1998 in der Zeit von 13:19 Uhr MEZ bis 13:44 Uhr: Ich habe immer wieder neu (jeweils völlige Neueinstellung des Theodoliten) den Polarstern angezielt und ihn - zwar sehr schwach, aber eindeutig - sehen können. Dazu war allerdings die genaue Kenntnis der Stelle am Himmel erforderlich und die Möglichkeit, genau diese Stelle anzuzielen, sonst wäre die Suche völlig aussichtslos ! Ich habe die Position für die jeweilige Zeit aus dem Programm VSky entnehmen können, daher fühle ich mich Manfred Dings erneut zu besonderem Dank verpflichtet. Ich hatte mir am Vorabend die kleine Abweichung der Position am Himmel von der mit VSky berechneten Position notiert und wendete diese kleine Korrektur dann auch am nächsten Tag an - und siehe da, es klappte ! Wer hätte das gedacht ! Man kann also den Polarstern auch am Tage ausmachen. - und nicht nur ihn, wie die folgenden 7 Zeilen (aus dem Monat April 2000) zeigen : Zum Thema Sichtbarkeit heller Sterne am Tage habe ich weiter probiert und dabei einige hellere Sterne beobachtet, z. B. am 22.3.2000 : Capella, Beteigeuze, Aldebaran, Vega, Altair, Procyon, Rigel, Pollux - nicht aber den Polarstern, trotz angestrengter Suche ! Zu den leichteren Übungen gehört es, die Venus und den Jupiter bei Tage auszumachen. Für planmäßige Suche nach Sternen am Tage habe ich auch ein hilfreiches Applet gebastelt, das einem Listen für die Positionen wählbarer Sterne (Planeten leider noch nicht !) zu wählbaren Zeiten mit großer Genauigkeit ausrechnet. Ein weiteres Applet liefert Hilfe, wenn es darum geht, bei der Vorbereitung vom Standpunkt des Theodolits aus die exakte astronomische Nordrichtung zu bestimmen Nun aber zu dem Programm von Manfred Dings, das mir in den letzten Tagen so viel Neues über den Sternhimmel vermittelt hat. Nach der Eingabe von Ort und Uhrzeit stellt es den Sternhimmel auf dem Bildschirm dar und zeigt auf Wunsch in Echtzeit die Veränderung mit dem Ablauf der Zeit. Es empfiehlt sich sehr, für den aktuellen Abend und die ins Auge gefasste Uhrzeit "den Himmel auszudrucken". So hat man es dann leicht, sich am Himmel zu orientieren. Für die Beobachtung der Mir und anderer künstlicher Satelliten ist es sogar möglich, wenn man zuvor die oben genannten two-line orbital Elemente in einem dazu bestimmten File aktualisiert hat, den Lauf der Station am Himmel als Animation laufen zu lassen und sich dabei auf der vorher ausgedruckten Himmelskarte den Verlauf als Spur einzutragen. Jetzt hat man nicht nur die oben beschriebenen ungefähren Daten über das Erscheinen der Raumstation am Himmel, sondern kann sich draußen schon vorher ganz genau auf den kommenden Durchgang der Mir "am Himmel einrichten".
Vorletzte Berichtigung : 4.4.2000 Zurück zur Seite über Satellitenbeobachtung Eine detailliertere Anleitung finden Sie hier Letzte Aktualisierung : 08.01.2002 |