Nach oben
Teil 1
Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 7

Ein abschließender Blick auf die meisterhafte Zeichnung der Hohengeroldseck vom Genieoffizier Beaulaincourt aus dem Jahr 1693.

Nach meinen Bemühungen um die Vermessung auf der Burgruine wird es Zeit, dass ich mich wieder der Zeichnung zuwende, die mich neulich schon so fasziniert hat. Wie mag man wohl dazumal vorgegangen sein, wenn man eine solche Grundrissskizze anfertigen wollte? Der Vergleich mit dem von mir erhaltenen Grundriss zeigte ja schon auf den ersten Blick eine frappierende Ähnlichkeit mit dem altehrwürdigen meisterlichen Werk.

Es bietet sich nun nach dem vorläufigen Abschluss meiner Vermessungsbemühungen an, die erhaltenen Maße mit denen zu vergleichen, die sich bei der Aufnahme der Beaulaincourt-Skizze in ein CAD-Programm gewinnen lassen. Dazu habe ich "nach Augenmaß" wieder möglichst "genau" Linien entlang markanter Grundrisslinien über die Skizze gelegt und dann vom Programm deren Maße berechnen lassen.

Ich beginne mit der Abbildung der so erhaltenen Winkelmaße an einigen Stellen des Grundrisses, nämlich im Innenbereich des alten Palasgebäudes und am Brunnenhaus:

Die Gegenüberstellung der 6 Winkelmaße folgt in der Tabelle:

Beaulaincourt
heute
Widerspruch
68°
67°
119°
123°
97°
90°
76°
80°
106°
86°
20°
102°
109°

Deutlich aus dem Rahmen fällt der Winkel an der Nordecke des Brunnenhauses. Es wäre zu prüfen, ob hier möglicherweise Rekonstruktionsarbeiten am Brunnenhaus stattgefunden haben, die vielleicht diese auffallend große Diskrepanz erklärlich machten.

Ich beginne nun die Untersuchung der Streckenlängen auf den beiden Grundrissen. Zunächst die Skizze mit meinen heutigen Befunden:

Bei einem Vergleich der Längenmaße in den beiden Grundrissen kommt es zu gewissen Schwierigkeiten. Es lassen sich zwar auf der Beaulaincourt-Skizze einige auch heute noch gut feststellbare Distanzen messen, aber es ist ein Problem, dass ein jeweils auf eine dieser Strecken angepasster Maßstab bei den anderen Vergleichsstrecken zu Diskrepanzen führt. Sehen Sie in den drei nachfolgenden Skizzen, wie (jeweils in roter Farbe angedeutet) diese Strecke zwar die Solllänge hat, dafür aber die anderen Strecken eklatant vom "Sollwert" meiner Messungen abweichen.

Es bleibt nur, für den Maßstab einen "Kompromiss" zu finden, der die Summe Abweichungsquadrate minimiert. Die folgende Skizze entspricht diesem Prinzip und wenn es um einen Vergleich der Strecken in beiden Skizzen geht, lege ich die hier angezeigten Strecken für die Beaulaincourt-Skizze zugrunde.

Aus der folgenden Tabelle sind die Widersprüche bezüglich einiger weniger Strecken ersichtlich:

Beaulaincourt
heute
Widerspruch
5.80 m
7.71 m
1.91 m
4.47 m
6.93 m
2.46 m
17.22 m
14.98 m
2.24 m
48.25 m
47.35 m
0.90 m
69.12 m
70.38 m
1.26 m

Vielleicht geben Sie mir Recht, wenn ich die Beaulaincourt-Skizze auch hinsichtlich ihrer maßstäblichen Zuverlässigkeit rückhaltlos bewundere. Ich würde ohne meine heutigen Messmittel nicht wissen, wie ich auch nur ansatzweise etwas in dieser Qualität zustande bringen sollte.

Diese Seite wurde erstellt am : 21.07.2004

Letzte Aktualisierung : 21.07.2004