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Angewandte Vektorrechnung mit Punkten aus der Punktwolke der Hohengeroldseck.

Diese Seite handelt von meinen Versuchen zur Nutzung der gemessenen Fülle von Oberflächenpunkten der Hohengeroldseck für die Berechnung von Winkeln und Wandstärken. Dieses Mal soll das aber ohne die Hilfe eines CAD-Programmes probiert werden.

In den folgenden Versuchen wird das JavaView-Applet zur Bestimmung geeigneter Punkte verwendet. Zunächst habe ich 19 Punkte auf der Außenfläche der nordwestlichen Palaswand nacheinander ausgesucht und markiert. Dabei wurde die Punktwolke immer wieder mit der Maus bewegt, wobei sich ja mit etwas Übung erkennen lässt, welche Punkte wirklich auf der gewählten Fläche liegen und welche nicht geeignet sind, weil sie offenbar doch nicht auf der Zielfläche liegen. Manchmal musste auch bei einem schon markierten Punkt die Markierung wieder entfernt werden, weil sich beim Drehen der Figur herausstellte, dass der betreffende Punkt bei näherem Hinsehen doch nicht zur Fläche gehörte.

Da sich der Vorgang nicht so gut mit Worten beschreiben lässt, können Sie sich in diesem kleinen Filmchen mit den 19 markierten Punkten mal rasch ansehen, wie beim Drehen die Zugehörigkeit der markierten Punkte zur gewählten Fläche sichtbar wird.

Wenn schließlich genug Punkte markiert sind (mindestens 4, besser deutlich mehr) schaltet man mit der Tastenkombination "Shift" "h" die Option zur Anzeige der Punktkoordinaten ein und fährt mit der Maus nacheinander die markierten Punkte an und notiert sich deren dann aufgezeigte Koordinaten. Ich habe dabei jeweils auf die erste Ziffer verzichtet, weil diese bei allen Punkten einer Fläche gleich war. Damit habe ich also - wie ich denke, ohne Beeinträchtigung beim Ergebnis - den Koordinatenursprung um 400 m nach rechts, 400 m nordwärts und 500 m nach oben verschoben, also um etwa 755 m näher an die Burg heran verlegt. Ein Punkt mit den Koordinaten (79.716, 55.356, 36.963) ist nun also nur noch 103.852 m vom neuen Koordinatenursprung entfernt. Dieser Punkt liegt übrigens auf besagter NW-Palaswand und hat die Punktnummer 1017.

Hier die 19 Punkte mit ihren Punktnummern und Koordinaten:

Nummer
X
Y
Z
1017
79.716
55.356
36.963
990
80.955
56.658
37.306
993
82.952
58.648
37.044
994
84.112
59.866
37.930
882
77.564
53.322
37.777
1020
79.042
54.713
38.948
1035
76.483
52.093
41.295
1036
77.645
53.351
42.176
949
84.077
59.897
42.438
887
82.001
57.855
43.528
1040
79.704
55.526
43.972
944
83.692
59.539
44.607
935
84.563
60.437
45.666
941
81.747
57.648
45.875
1057
77.880
53.711
47.568
1043
80.814
56.802
48.503
931
85.100
61.009
48.787
896
77.285
53.122
50.472
1045
82.199
58.235
51.962

 

Wie ich auf dieser Seite genauer beschrieben habe, lässt sich aus diesen Punktkoordinaten eine Ebene berechnen, die man Regressionsebene nennt. Es ist diejenige Ebene, von der die Summe aller 19 quadrierten Abstandswerte minimal ist, eine Ebene also, die sich optimal der Punktephalanx angleicht. Diese Ebene kann man elegant durch einen Vektor der Länge 1 darstellen. Dieser Vektor zeigt vom Koordinatenursprung senkrecht auf die Fläche und man nennt ihn den Normaleneinheitsvektor. Er charakterisiert die Fläche, steht senkrecht auf ihr und sieht so aus:

Der Rechengang zur Ermittlung des Richtungswinkels dieses Einheitsvektors ist hier dargestellt und ergibt, dass diese Flächennormale einen Azimut von 313.8° hat, also etwa in Südost-, bzw. Nordwestrichtung (= 315°) weist. Steht man also mit dem Rücken zu dieser Wand, dann schaut man ungefähr in nordwestlicher Richtung. Die Fläche der Palaswand selbst verläuft demnach - senkrecht dazu - vom Treppenturm aus gesehen in die Richtung:

313.8° + 90° - 360° = 43.8°, also etwa nach Nordost (= 45°).

Ergänzend sei mitgeteilt, dass mein CAD-Programm für diesen Winkel (nach Addition der Meridiankonvergenz) 43.7° ermittelt hat.

Die "Nordost"-Palaswand ist im Gegensatz zur bisher besprochenen Wand in folgender Weise zweigeteilt: Die Außenwand ist oben (im Bereich des 2. und 3. Obergeschosses) etwas "nach innen" versetzt. Die untere Außenwand ist (sorgfältig durchgeführten Messungen zufolge) etwa 16 cm gegenüber der oberen Wand nach außen vorspringend.

Punkte, die zum unteren Teil gehören, haben Höhen, die alle unterhalb von 41 m liegen, die Wandpunkte des oberen Bereiches haben durchweg Höhen über 41 m. Für beide Wandteile habe ich jeweils 10 Punkte ausgewählt und dann den jeweiligen Einheitsvektor der Flächennormalen berechnet. Hier folgt das Protokoll der Berechnung des Winkels, den die beiden Flächennormalen einschließen. Damit beträgt also auch der Winkel, den die Nordwest- und die Nordostwand des Palasgebäudes einschließen.

alphaNW_NO = 70.0°

Der Vergleich mit der Skizze aus dem CAD-Programm und dem Punktwolkengrundriss zeigt allerdings einen etwas ernüchternden Widerspruch auf: Dort kann man nämlich für den gleichen Winkel 71.2° finden! Damit wird deutlich, dass die Angabe von Ziffern hinter dem Komma des Winkelwertes eher als Scheingenauigkeit gelten muss! Man sollte daher die ermittelten Winkelwerte auf ganze Winkelgrade runden.

Für den Winkel zwischen den oberen Teilen der Außenwände Nordost und Südost ergibt sich aus der CAD-Skizze der Wert 121.1°. Über die entsprechenden Flächennormalen fand ich dagegen 121.8°.

Der Winkel zwischen den Südost- und Südwestaußenwänden beträgt laut CAD-Skizze 91.0°, aus den Flächennormalen resultiert für den gleichen Winkel ein Wert von 90.2°.

Zwischen der Südwest- und der Nordwestwand zeigt die CAD-Skizze einen Winkel von 76.7° und die Normalenvektoren ergeben 78.3°.

Hier noch die Winkelsummen:

CAD-Skizze
Flächennormalen
360.0°
360.3°

Der Einheitsvektor der Flächennormale kann auch dazu dienen Wandstärken zu bestimmen, nämlich als Abstände von Punkten auf der Innenwand von der Regressionsebene der entsprechenden Außenwand. Für die Südwestmauer des Palas habe ich die Rechnung hier aufgeschrieben. Das Ergebnis: 1,69 m. In diesem Fall liefert das CAD-Programm für die Stärke dieser Wand 1,70 m.

 

Eine eher leichte Übung ist dagegen die Ermittlung von Punktabständen aus dem Punktwolken-Applet. Dazu notiert man sich für beide Punkte jeweils die drei Koordinatenwerte und rechnet daraus entweder den Horizontalabstand aus den beiden X- und Y-Werten aus oder die Schrägdistanz (über den "räumlichen Pythagorassatz") unter Mitverwendung der Z-Koordinaten.

Beispiel: Die beiden Punkte P1 = (74.92 m, 46.46 m, 48.33 m) und P2 = (76.72, 55.36, 36.96 ) haben einen Horizontalabstand von

e =

und einen Schrägabstand von

s =

     

Diese Seite wurde erstellt am : 19.07.2004

Letzte Aktualisierung : 21.07.2004