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Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

Teil 7

Und dann und wann mal eine alte Burg:

Bitte beachten Sie: In Teil 7 ist die jeweils aktuellste Punktwolke zu sehen!

Wie bei jedem aus meiner Heimat verbinden sich vielfältige Erinnerungen mit dieser Burgsilhouette. Da gibt es Streiflichter aus Zeiten von privaten Ausflügen oder Schulausflügen mit Menschen, die uns längst verlassen haben.

Man bezog sich bei der Annäherung an das Bauwerk teils auf legendäre Kunde teils auf kenntnisreiche Berichterstattung - und Gruseliges war auch manchmal mit dabei. Es wird dennoch Besucher meiner Seiten nicht weiter verwundern, dass ich in meinen alten Tagen auch einen eher von privaten Neigungen geprägten Zugang zur Burgruine Hohengeroldseck gefunden habe und Ihnen darüber erzählen möchte.

Erst in den letzten Tagen habe ich jedoch eindrucksvoll erfahren dürfen, dass sich die Tradition der Burgbesuche mit Kindern auch in unserer schnelllebigen Zeit weiter fortsetzt: Eine Kindergartengruppe belebte in mittelalterlich angehauchter Kostümierung die Ruine und nahm dann malerisch im Palas-Trakt auf farbenfroh ausgerolltem Papier ihr wohlverdientes "Rittermahl" zu sich. Dabei haben es die Betreuerinnen sogar verstanden. die quirligen lieben Kleinen davon zu überzeugen, dass man dem alten Mann doch bitte nicht den ganz oben aufgestellten Vermessungs-Reflektor verrücken sollte.

Dank also an die Kinder und ihre sympathischen Betreuerinnen!

Wen wird es jetzt noch wundern, dass ich mich mit schwerem Gepäck (allerlei Vermessungsausrüstung) und mit dankenswerter Hilfe meiner Frau, startend an der alten Burgwirtschaft nach oben auf den Weg machte. Nach schweißtreibendem Aufstieg konnte ich dann endlich mit meinen Vermessungsarbeiten beginnen. Zum Glück lernte ich dann den hilfsbereiten Burgvogt Herrn Glatz kennen, den der Anblick der überforderten Lastenträger erbarmte und der sich schließlich bereit fand, uns bei den nächsten Besuchen die Schranke aufzuschließen. So konnte ich danach mit dem Auto die Gerätschaften nach oben befördern und mit wesentlich geringerer Mühe die Vermessungskampagnen weiterführen.

Die "vermessungstechnische Erschließung" begann mit einigen hundert Fotos der Burg und anschließender Auswertung mit einem Photogrammetrieprogramm. Um das Photogrammetriemodell an die Landeskoordinaten anzupassen musste jetzt eine Kampagne mit dem Tachymeter folgen. Dabei wurden zunächst einige Punkte rund um die Burg vermessen. Von diesen Punkten aus konnte ich jetzt markante Punkte aus dem Photogrammetriemodell als Kontrollpunkte in ihren Gauß-Krüger-Landeskoordinaten bestimmen und so das ganze Modell in die Landeskoordinaten transformieren.

Es dauerte dann noch etwas bis ich herausfand, dass nicht unbedingt jeder angemessene Punkt auch ein "markanter" Punkt sein muss, den man später wieder auffinden kann. Es genügte mir vielmehr, einfach in zufälligen Richtungen auf die Burgmauern - oder auch den Basisfelsen in seiner unregelmäßigen Gestalt - zu zielen und "abzudrücken", das heißt je eine neue Messung auszulösen. Dabei ist natürlich die Möglichkeit zur reflektorlosen Distanzmessung unerlässlich, aber zum Glück bietet mein Gerät diesen Luxus. Die bei jeder solchen Messung anfallenden drei Koordinaten werden gespeichert und können später in den Rechner überspielt werden. Worauf es mir also ankam war, eine möglichst dichte und gleichmäßig verteilte Punktwolke von Messpunkten zu gewinnen. Diese sollten dann in ihrer Ganzheit und Strukturierung wenigstens einen schemenhaften Eindruck der Burggestalt vermitteln können.

Es bedurfte dann noch eines Programms zur "dreidimensionalen" Darstellung der Punktwolke auf dem Bildschirm. Zum Glück musste ich das nicht selbst programmieren sondern konnte mich des wunderbaren JavaView.jar bedienen, das ich Ihnen für derartige Zwecke nur wärmstens empfehlen kann. Es ist schön zu sehen, wie die natürlich zweidimensionale Darstellung auf dem Bildschirm dadurch doch eine scheinbare Dreidimensionalität gewinnt, dass man die Modellpunkte mit der Maus anpackt und dreht. Den erforderlichen Rest zur dreidimensionalen Illusion besorgt dann das Gehirn des Betrachters, unterstützt durch etwas Mathematik zur perspektivischen Verzeichnung beim Drehen der Figur. Auch ein umhüllender Kubus als Achsengerüst ist hilfreich beim Erzeugen des räumlichen Eindrucks.

Bei Bedarf können Sie aus der Punktwolke noch die Koordinaten einzelner Punkte abrufen, damit sich damit dann Fragen wie etwa nach der Dicke der Palaswände oder den Winkeln, die die Wände in den Ecken miteinander bilden, beantworten lassen. Es ist mir allerdings klar, dass dieses Projekt eigentlich nie ganz fertig sein kann, denn auch jetzt schon lösen die Ergebnisse einer Kampagne gleich neue Ideen und neuen Messbedarf für den nächsten "Anritt" aus. Vielleicht sehen Sie sich die vorläufigen Ergebnisse aber trotzdem schon mal an.

Anmerkung: Falls Sie zu den Internetnutzern gehören, die mit ihrem Browser (noch) keine Java-Applets abspielen können, ist hier noch ein kleines Filmchen, das wenigstens einen minimalen Eindruck von den interaktiven Applets vermittelt, bei denen man aber selbst mit der Maus anpacken und die Punktwolken manipulieren kann. Zum Abspielen des AVI-Videos ist der Camtasia Player erforderlich, der hier kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt wird.

Danach für das Filmchen bitte hier anklicken!

Diese Seite wurde erstellt am : 9.07.2004

Letzte Aktualisierung : 24.12.2004