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Bemühungen um Astronomie, ein Bericht in Fortsetzungen - Teil 8
Lassen Sie mich rasch von einer
hübschen Beobachtung erzählen : Es geht wieder um den von mir so geliebten Polarstern.
Neuerdings habe ich einen seiner Begleiter ausmachen können. Ich war überrascht, als ich
erfuhr, dass dieser Stern nicht als Single seine Tage fristet, sondern von nicht nur einem
sondern mindestens 3 Begleitern umgeben ist. Es handelt sich also nicht nur um einen
Doppelstern, sondern gleich eine Mehrfachsternsystem. Einen der Begleiter konnte ich
neuerdings ausmachen - ganz schwach, aber messbar und auf der Aufnahme ließ sich auch
sein Winkelabstand vom Polarstern bestimmen : Es waren ca. 19 Winkelsekunden ! Im Internet
habe ich die entsprechenden Angaben gefunden : Sein Bezeichner ist - laut USNO-A1.0 - U1725_00118106
(Polaris selbst heißt dort U1725_00118864) und sein Winkelabstand zum Polarstern beträgt
laut dieser Quelle 0,307 Winkelminuten. Dies sind dann 0,307' · 60"/' = 18,4 ".
Hier ein Ausschnitt aus meinem Bildchen :
Die Pixelkoordinaten der Mitten der beiden Sternabbildungen lagen bei : Polaris x = 91, y = 72 Pixel; Begleiter x = 66, y = 54 Pixel. Der Abstand der beiden Mitten betrug also : 31 Pixel. Zur Kalibrierung nahm ich unter gleichen Bedingungen die Spitze eines Wettermastes in 1625 m Entfernung auf. Mit dem Theodolit hatte ich aus exakt gleicher Position den Winkelabstand der beiden mit Pfeil bezeichneten Stellen gemessen. Er betrug 0,0536 °. Die Differenz der beiden Bild-X-Koordinaten war : 460 - 138 = 322 Pixel und damit entsprach 1 Pixel einem Winkelabstand von 0,600 Winkelsekunden. Das würde übrigens einen Abstand der beiden Stellen am Turm selbst von 1,52 m bedeuten (1625 m · tan(0,0536°) = 1,52 m). Hier das Bild vom Wettermast :
Der Winkelabstand der beiden Mittelpunkte des Polarisbildchens und des viel kleineren Begleiterbildchens beträgt also 0,600" · 31 = 18,6 Sekunden. Die gute Übereinstimmung mit den oben genannten Angaben aus dem Sternkatalog bestärkt mich in der Ansicht, dass ich tatsächlich den Begleiter B des Polarsterns auf meinem Photo erfasst habe. Leider habe ich versäumt, den sog. Positionswinkel zu bestimmen. Dies bleibt also noch zu tun, wenn ich noch größere Sicherheit haben möchte. Ebenfalls in obiger Quelle wird nämlich ein Positionswinkel von 227,8 ° angegeben. Die Helligkeitsklassen beider Sterne werden mit 2,0 bzw. 8,2 angegeben. Daher stammt der beachtliche Unterschied in der Größe der beiden Abbildungen auf meinem Photo. Was hat man sich nun unter dem "Positionswinkel" vorzustellen ? Der Positionswinkel ist der Winkel, den die Verbindungslinie vom einen (meist dem helleren) zum anderen Stern gegen die Richtung zum Himmelsnordpol "aufspannt". Wenn man die Koordinaten (Rektaszension und Deklination) der beiden Sterne kennt, kann man daraus den Positionswinkel bestimmen. Dies ist etwas umständlich, denn ich habe mir das selbst gestrickt, ohne eigentlich etwas von der Sache zu verstehen. Mein Rechenweg hat auch nicht den Segen eines Fachmannes erhalten. Also kontrollieren Sie mich bitte und teilen Sie mir ggf. mit, wenn Sie Fehler entdecken sollten : Zunächst berechne ich den Positionswinkel vom Polarstern zu seinem oben beschriebenen Begleiter. Die Koordinaten: Polaris : RA 2h 31' 53,76"; Dek +89° 15' 51,0"; Begleiter : RA 2h 30' 43,45" ; Dek +89° 15' 38,6". Es folgt die Wandlung aller Koordinaten in Winkel
(Dezimalzahl) : RA(Polaris) und Dek(Polaris) nenne ich jetzt RA1 und Dek1, die Werte für den Begleiter heißen ab jetzt RA2 und Dek2. A = sin(Dek1) · sin(Dek2) = 0,999917533477485 ·
0,999916759626457 = 0,999834299968486 Eine Fallunterscheidung entscheidet, welcher der VK-Werte zu wählen ist :
Nach diesem Manöver steht also fest : PW = VK3 = 227,738 °. Dies ist der gesuchte Positionswinkel und wie man sieht, entspricht er dem Wert aus dem USNO-A1.0-Katalog. Dies heißt, dass der Begleiter von Polaris aus gesehen ziemlich genau im "Süd-Westen" steht, wobei als Norden die Richtung von Polaris zum Himmelsnordpol gilt, und 180° "Süd-Richtung" bedeuten würde. Leider ist auf dem Photo über den Positionswinkel keine Aussage möglich. Dazu müsste in einem weiteren Versuch - etwa durch Mehrfachbelichtung auf einem Bild - erst nachgesehen werden, wie die "Ost-West-Richtung" auf dem Bild durch den Weg der Sterne in Erscheinung tritt. Es ist klar, dass die Positionswinkel aller
Sterne zum Polarstern nahe bei 0° , bzw. 360 ° liegen wird. Dies ist eben deshalb so,
weil der Polarstern nahe dem Himmelsnordpol steht. Der daraus berechnete Positionswinkel beträgt : 358,936 ° , also wie gesagt nahe 0°, bzw. 360° Ein weiteres Beispiel : Merak - Dubhe :
Der daraus berechnete Positionswinkel (Merak - Dubhe) beträgt : 329,643 °. Jetzt zeigt sich, dass die Anweisung zum Auffinden des Polarsterns, nämlich die Strecke von Merak nach Dubhe, also die Verbindungslinie der beiden hinteren Räder des großen Wagens, einfach gerade weiter zu verlängern doch nicht genau zum Polarstern führt, sondern etwa 30 ° westlich daran vorbei zielt - aber was sind schon 30 ° wenn es nur um eine grobe Orientierung am Himmel geht ! Pardon ! 30 ° sind doch etwas viel, finden Sie nicht auch ? Daher habe ich mir die Rechnung noch einmal angesehen. Es liegt wohl an der falschen Deklination von Merak : Sie muss heißen 56° 22' 57". Daraus ergibt sich ein Positionswinkel (Merak - Dubhe) von 2,384 °. Jetzt ist der Unterschied doch gefälliger ! Nicht 30° sondern 2,384 + (360 - 358,936) = 3,448 °. Jetzt kann man sich beruhigt zurücklehnen ! Zuletzt berichtigt am : 07.01.2002 |