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Die folgenden Ausführungen sind einigermaßen ermüdend und haben mich, bei meiner angeborenen Faulheit, fast zu viel Aufwand gekostet. Da es nun aber einmal erforderlich ist, nach Möglichkeit nicht nur ungefähr zu wissen sondern auch nachvollziehen zu können, habe ich mich überwunden - und vielleicht spart es einem Interessenten etwas Mühe, wenn er sich des folgenden Rechenbeispiels bedienen kann. Selbstverständlich wird man die einzelnen Schritte programmieren, sei es in einer der Programmiersprachen oder vielleicht als Excel Arbeitsblatt, und dann kann man ja beruhigt alles wieder vergessen. Aber man sollte nicht vergessen, dass einem auch vielerlei Astronomie-Programme diese Arbeit trefflich abnehmen. Dennoch, so sagt sich ein alter Lehrer : Selber machen ist eben doch am schönsten ! Ein Rechenbeispiel zur Koordinatentransformation aus dem Äquatorsystem in das Horizontsystem. Es soll aus der Rektaszension und Deklination für den Stern Vega deren Höhe über dem Horizont und ihr Azimut berechnet werden für meinen Standort in Rheinau (Breite : 48,6733 °, Länge : 7,9421 °) am 10.6.1998, 18:50:11 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Zunächst braucht man das sog. Julianische Datum. Dies ist eine aus Tag, Monat, Jahr und Greenwicher Zeit (UT) berechnete große Zahl mit Nachkommastellen. Es sollte dieses Julianische Datum nicht mit dem Julianischen Kalender verwechselt werden, dem Vorgänger unseres Gregorianischen Kalenders. Die Eingabedaten sind : Zu beachten ist ggf. der Fall, dass beim Übergang von unserer Lokalzeit auf UT auch der Tag betroffen sein kann. So wäre z.B. am 10.6.1998 um 1:50:11 Uhr MESZ nach dem Übergang auf Greenwich-Zeit (UT) der Tag jetzt T = 9 und die Stunde 23:50:11 Uhr. Zuerst berechnen wir aus J,M und T die
Zahl p : Die Zahl CAL resultiert aus der Entscheidung, ob p kleiner ist als 1582,1015 (also vor dem 15.10.1582 liegt) oder gleich bzw. größer. Im ersten Fall wird CAL = 1 , andernfalls wird CAL = 2 gesetzt. Da 1998,0610 größer als 1582,1015 ist heißt für unser Datum CAL = 2 Nun folgt die Berechnung der Zahl j : Es folgt die Berechnung von m: Nun soll eine Rechenvorschrift mit dem Namen floor eingeführt werden : floor (x) soll bedeuten : Die größte ganze Zahl kleiner oder gleich x. Unter Verwendung dieses Begriffes wird nun
eine weitere Zahl jd berechnet : Jetzt folgt die Berechnung der Zahl b : Nun folgt die Berechnung der Zahl JD : Aus diesem JD für UT = 0 Uhr, wird nun ein
neues TN berechnet nach der Formel : Daraus wird GMST0 berechnet Dieses GMST0 wird durch folgende Vorschrift
weiter modifiziert : Als "Rezept zur leichteren Programmierbarkeit" sei die Funktion REST(x,y) hier noch einmal "in Worten" beschrieben :
Das GMST0 wird weiter modifiziert nach der
Vorschrift : Daraus berechnet man die Greenwicher Sternzeit
für den Augenblick (Z = 16:50:11 UT) : Aus GMST berechnen wir die lokale mittlere
Sternzeit für den Augenblick auf unserem Längengrad ( 7,9421 °) :
Was wir jetzt brauchen ist noch die wahre Greenwicher Sternzeit GAST: (Greenwich Apparent Sideral Time). Der Unterschied zwischen LAST und GAST ist nicht sehr groß und die Mühe der Umrechnung beträchtlich, aber sie muss zunächst einmal sein ! Erstens berechnen wir TE: Als letzter Schritt fehlt noch die wahre
lokale Sternzeit für den Augenblick : LAST Zusammenfassend : Aus der Zeit (inklusive Datum) und der geogr. Länge berechnet man zunächst die "wahre lokale Sternzeit" oder die "wahre Ortssternzeit", LAST. Der Rest ist, gemessen am bisherigen Aufwand einfach, hier am Beispiel für die Vega (Rektaszension : a = 18h 36m 56,332s; Deklination : d = + 38 ° 47 ' 1,17 ") : Die Rektaszension in Stunden, dezimal : a = h + m/60 + s/3600 = 18 + 36/60 + 56,332/3600 = 18,61564778 h Die Deklination in Winkelgraden, dezimal : d = 38 + 47/60 + 1,17/3600 = 38,78365833 ° Der Stundenwinkel des Objektes : Theta =
REST (LAST - Rektaszension + 24, 24) Die geographische Breite des Beobachtungsortes ist : f = 48,6733 ° die Höhe : h = arcussinus ( sin(f) · sin(d)
+ cos(f) · cos(d) · cos(Q)) Der Weg zum Azimut : Jetzt beginnt eine Fallunterscheidung :
Unser gesuchtes Azimut ist also : A = 223,764°(bzw. 43,764°, bezogen auf Norden = 0°) Anmerkung : Der Wert für die Höhe ist noch
der Korrektur bedürftig, denn es ist , zumal bei so geringen Höhen, noch
die Brechung (Refraktion) durch die Atmosphäre zu berücksichtigen. Die
beobachtete Höhe ist nämlich deswegen etwas größer als die ohne Beachtung
dieses Phänomens berechnete Höhe. Zur Kontrolle zwei weitere Beispiele (Angenommener Standort gleich wie oben) : Sirius am 11.12.1937, 21:08:08 UT;
RA = 6h 42m 27,03s; Dek = - (16° 37' 48,89") Aldebaran am 4.3.1999, 20:05:37 UT;
RA = 4h 35m 51.67s; Dek = 16° 30' 17.84" ..... und glauben Sie ja nicht, ich hätte das alles verstanden ! Vermitteln kann man etwas aber leider nur, wenn man es selbst verstanden hat. - Es bleibt ausschließlich den "genialsten Pädagogen" vorbehalten, es auch zu schaffen, ohne diese triviale Bedingung erfüllen zu müssen ! So bleibt also diese Seite im besten Fall eine nachvollziehbare Rezeptur, und das wäre ja auch schon etwas! Letzte Berichtigung : 16.07.2002 |