| |
Bemühungen um Astronomie, ein Bericht in Fortsetzungen - Teil 4 Es mag in einer lockeren Folge von Berichten
erlaubt sein, die Linie durch aktuelle Meldungen über meinen letzten Beobachtungen kurz
zu unterbrechen : Es ist ein Kreuz, aber trotz vielerlei Versuchen schaffe ich es
derzeit nicht, den Polarstern bei Tag zu sichten. Vielleicht ist es darauf
zurückzuführen, dass in dieser Jahreszeit (Ende Mai 1998) die Sonne näher am Himmelspol
steht als bei meinen früheren erfolgreichen Versuchen. Dies könnte die
Hintergrundhelligkeit entscheidend vergrößern und den Kontrast mit dem Lichtpunkt des
Polarsterns entsprechend verkleinern. Ich denke auch daran, dass trotz "blauen
Himmels" eine dem bloßen Auge nicht auffallende, aber wirksam größere Belastung
mit Schwebstoffen dies unmöglich macht (es sind zur Zeit ja auch auffallend üppig
Blütenpollen in der Luft, "Sahara Staub" mögen es manche auch nennen) . Das Thema in diesem Bericht soll aber die Orientierung am Himmel sein. Es soll gezeigt werden, wie eine Stelle am Firmament durch zwei Winkelangaben eindeutig bezeichnet werden kann. Es geht dabei entsprechend zu, wie bei der Bezeichnung einer Stelle auf der Erdoberfläche, nämlich durch Angabe einer "geographischen Breite" und einer "geographischen Länge". Am Himmel heißen die entsprechenden Werte das "Azimut" und die "Höhe" über dem Horizont. Weil also offensichtlich der Begriff "Horizont" zur Orientierung dient, nennt man dieses Koordinatensystem auch das "Horizontsystem".
Ein Beispiel : Ein Punkt mit den Horizontkoordinaten : Azimut = 135 °, Höhe = 60 ° (bei Azimut der Art A) liegt also im Südosten und erscheint dem Beobachter unter einem Höhenwinkel von 60 °. Er steht somit in 2/3 der Zenithöhe über seinem Lotschnittpunkt mit dem Horizont in der genannten Süd-Ost-Richtung. Beim messenden Umgang mit den Horizontkoordinaten sollte an eine Besonderheit gedacht werden : Die Beschreibung von Punkten am Himmel ist nicht an allen Stellen der "Himmelskugel" mit gleicher typischer Genauigkeit möglich. Zwei Punkte nämlich mit einem bestimmten "Winkelabstand" - dieser Begriff ist in der nächsten Folge zu besprechen - haben einen kleineren Differenzwert ihrer Azimute, wenn sie beispielsweise auf einem gemeinsamen Höhenkreis in der Nähe des Horizontes liegen als zwei andere Punkte, die bei gleichem Winkelabstand auf einem zenitnäheren Höhenkreis stehen. Das bedeutet, dass eine Unsicherheit in den Azimutangaben sich in Zenitnähe gravierender auswirkt als in Horizontnähe. Als einfache Mitteilung dazu die folgenden Zahlenwerte : Bei einer Azimutdifferenz von 1,0 °, den 2 Punkte auf einem Höhenkreis der Höhe 5 ° haben mögen, beträgt auch ihr Winkelabstand rund 1,0 °. Die gleiche Azimutdifferenz ergäbe sich aber auf einem Höhenkreis von 85 °, also nur 5 ° unter dem Zenit, schon bei einem einem Winkelabstand von nur 0,09 °. Umgekehrt machen sich dort oben also relativ kleine Azimutfehler schon als relativ große Abweichung des erwarteten Winkelabstandes bemerkbar, wenn dieser aus den Azimuten zweier Sterne mit großen Höhenwinkeln berechnet wird. Es leuchtet demnach ein, dass andererseits die Messung des Winkelabstandes eine von der Position am Himmel unabhängige Genauigkeit erwarten lässt. All dies entspricht auch den Gegebenheiten auf einer vertrauteren Kugel, nämlich der Erdoberfläche: Ein Schritt auf dem Äquator führt nur zu ganz geringer Änderung der geographischen Länge, etwa in der Größenordnung von 10-8 Grad. Bei genügender Annäherung an den Nordpol kann ein Schritt auf einem Breitenkreis aber leicht eine Änderung der geographischen Länge von einem ganzen Grad ausmachen. Wie nahe am Pol müsste man denn übrigens sein, damit das bei einer angenommenen Schrittlänge von 0,80 m der Fall wäre ? - Finden Sie auch, dass man dann ca. 46 m vom Pol entfernt sein müsste ? Auf welcher geographischen Breite befände man sich dann ? Etwa 89.999993 ° ? Wie sollte man aber mit der hierzu erforderlichen Präzision seine geographische Breite bestimmen ?? Für solche Vorhaben greift man dann doch lieber zur Vorstellung der Erde als Scheibe zurück, die man so voreilig längst verworfen hatte ! Zum Schluss der heutigen Überlegungen noch eine Skizze der Himmelskugel mit der Darstellung der Horizontkoordinaten. Hier liegt also das Azimut "der Art B" vor mit Azimut 0° im Süden. Zu ergänzen wäre noch der Begriff "Zenitdistanz", der ebenfalls als Winkel gemessen wird und immer mit dem Höhenwinkel als Summe 90 ° ergibt. Klar ist angesichts der Skizze wohl auch, dass negative Höhenwinkel für ein "Himmelsobjekt" immer bedeuten, dass es unter dem Horizont des Beobachters liegt, also nicht sichtbar ist, weil es entweder noch nicht "aufgegangen" oder schon "untergegangen" ist. Klar ist auch, dass Beobachter, die gleichzeitig an verschiedenen Orten den Himmel anschauen, jeweils einen "anderen Himmel" sehen, dass also die Horizontkoordinaten eines Himmelsobjektes von der Zeit und dem Standort des Beobachtenden abhängig sind. Dies ist sicherlich eine "Schwäche" des Horizontsystems. Das alternative Äquatorsystem wird später besprochen. Bei ihm hat der gleiche Fixstern auch "fast" konstante Koordinaten.
Zurück zur letzten Seite zu diesem Thema Erstellt im Mai 1998 Letzte Berichtigung am 07.01.2002
|